Steinhausens Mühle

Von J. Janßen

Aus Festschrift für das Amtskriegerverbandsfest in Steinhausen 1932

 

Die hohe stattliche Windmühle ist das Herz Steinhausens, und seit mehr als 300 Jahren ist sie das Wahrzeichen des Ortes. Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges, 1632, war „der ehrbare Hermann Hanneken“ – wie eine Urkunde aus diesem Jahre amtlich vermeldet – Müller zu Steinhausen. Reichlich hundert Jahre später hat der wohlhabende Kaufmann u. Freimaurer Johann Hanneken die Mühle in Besitz. Als „Mitglied und Meister der Freimaurerei“ wird er es gewesen sein, der das interessante, fast Quadratmetergroße Freimaurerwappen über der Tür in die dicke Mauer des Unterbaues einfügen ließ. Das aus Sandstein gearbeitete, reich verzierte Symbol wird noch heute viel beachtet und photographiert.

Nach dem Abriss der Mühle wurde das Wappen nach Bremen verkauft. Der damalige Besitzer der „Altdeutschen Diele“ Robert Meyer konnte das Wappen, 1972, zurückerwerben. Seitdem ist es in der „Altdeutschen Diele“ - Reiterstube - eingebaut.

Im Jahre 1769 erschloß derselbe (?) Hanneken dem ersten aus der Familie Sagemüller die ihm ebenfalls eigene Kranenkamper Mühle – damals eine Bockmühle – und übergab sie, indem er den Mahlgang in Bewegung setzte, mit getreuen Segenswünschen diesem Vorfahren des heutigen Brauereibesitzers in Pacht; diese Mühle war lange eine Bannmühle.

Bannmühle bezeichnet eine Mühle, für die der Mühlenzwang gilt.

Der jetzige Besitzer ist Müller Ad. Carstens. Die Steinhauser Mühle war viele Jahrzehnte eine Graupenmühle. Aus weiter Umgebung kamen die Bauern, um ihre Gerste u. ihren Weizen – nur dieses – hier Mahlen zu lassen. Und die Graupen und Gerstengrütze des Steinhauser Müller waren weithin in und außer Landes bekannt und begehrt.

Sturm und Brand haben die Mühle im Laufe der Jahrhunderte nicht verschont. Doch immer ist sie wieder neu erstanden, um den nimmermüden Kreislauf ihres Lebens fortzusetzen. Nur in den vier Jahren des Weltkrieges, als ihr jetziger Besitzer, E. Folkerts, dem Vaterland mit der Waffe dienen musste, war es still und öde um die Mühle. Als sie dann aber aus ihrem Dornröschenschlaf erwachte, lag eine stille Freude uf den Gesichtern der Steinhauser. „De Möhl de geiht weller, Och, och de Möhl geiht weller.“ Klank es von Mund zu Mund. Dem nicht zu unterlassen, langsam zum Müller zu gehen und ihm zu sagen:“Och wie schön ist dat, dat de Möhl weller geiht:“

Möge sie noch lange hoch und hehr und lebendig ins Land schauen: Im Westen über die Driefeler Weiden nach Zetel und Ostfriesland, im Norden über Groden und Jadebusen, im Osten über Jeringhave nach Stadt und Forst Varel und nach Süden über Bockhorn und die blauen Wälder der Friesischen Wehde. Das ist der treue Wunsch der Steinhauser für ihre Mühle. 

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