Das kulturelle Leben in unserem Dorf ( ca. 1957)

Von Anton Johann Grübnau

 

Unsere männliche Bevölkerung betätigt sich in dem Klotschießer- u. ein kleiner Teil im Gesangverein. Die Jüngeren treiben Sport in den Zeteler Sportvereinen. Die Volkshochschule in Zetel / Bockhorn gab sich in den verflossenen Jahren alle erdenkliche Mühe, auch unsere Dorfbewohner für ihre Bestrebungen zu gewinnen. Leider blieb diese Mühe vergeblich.

Unter anderem wurden in Bockhorn von der Volkshochschule literarische Abende mit der Heimatschriftstellerin Alma Rogge (* 24. Juli 1894 in Brunswarden bei Rodenkirchen; † 7. Februar 1969 in Bremen-Rönnebeck war eine deutsche Schriftstellerin.) veranstaltet. An der Lesung nahmen nur wenige Personen aus Steinhausen teil. Wir haben in unserem Dorf die Tatsache zu verzeichnen, das gerade die Urbevölkerung, die seit undenklichen Zeiten, auf der väterlichen Scholle sitzt, als Kulturträger des Heimatgedanken überhaupt nicht in Frage kommt. Gerade von diesem Teil unserer Dorfbevölkerung könnte man erwarten, dass es sich aufgeschlossen gegenüber allen kulturellen Bestrebungen zeigt. Leider ist das nicht der Fall. Die Gründe dieser Haltung sind wohl in dem geringen Bildungsgrad zu sehen. Der größte Teil dieser Dummbevölkerung hat mit dem Verlassen der Schule seine geistige Entwicklung abgeschlossen. Seine Mentalität ist so, dass er seelisch u. geistig auch später nicht das Bedürfnis verspürt, sich mit Dingen zu beschäftigen, die über sein materielles Jahrwissen hinausgehen. Wenn kürzlich auf einer Landfrauentagung im „Kurhaus“ am Urwald ein erfahrener Vortragsredner die Behauptung äußert, nicht die in das Dorf Zugewanderten, sondern die bodenständige Bevölkerung seien die Kulturträger unseres dörflichen Raums, so ist dieses entweder eine völlige Verkennung der Dinge, oder der Redner wollte sich nur beliebt machen. Wir von unserem Dorf u. in vielen anderen wird es wohl ebenso sein, kann man nicht sagen, dass man im Allgemeinen die Ureinwohner die Kulturbürger der dörflichen Heimat sind.

 

Gerade die Zugezogenen sind in dieser Hinsicht meist aufgeschlossener.  

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