Aus dem mittelalterlichen Steinhausen

von Wilhelm Korte, Oldenburg.

 

Wilhelm Korte: 

  • geb. 5.9.1901 Steenfelderfehn
  • gest. 13.3.1987 Oldenburg
  • Bankkaufmann, Revisor, Makler, Heimatforscher
  • Wilhelm Korte war wohl der mit Abstand produktivste Heimatforscher Ostfrieslands und des
  • Raums Weser-Ems. Der Sohn des Lehrers und Heimatschriftstellers Heinrich Adolf Korte
  • besuchte von 1908 bis 1913 die Volksschule seines Heimatdorfes und danach bis 1917 das
  • Realgymnasium Papenburg bis zur Obersekunda. Anschließend absolvierte er eine Lehre
  • als Bankkaufmann in Aurich.

 

Das urkundliche Material der vor 1500 liegenden Zeit fällt hinsichtlich der Bauernschaft Steinhausen nicht gerade überreichlich aus. Es reicht lediglich bis in das 15. Jahrhundert zurück und beschäftigt sich in erster Linie mit dem „Steenhus“, nicht fern von Bockhorn belegen, jenen uralten Marktort der Friesischen Wehde, der bereits im 13. Jahrhundert eine Berühmtheit im nordwestdeutschen Handel erlangt hatte.

Zur Einführung in die ältere Geschichte der Bauerschaft Steinhausen sind allerdings einige allgemein historische Ausführungen notwendig.

Die Friesische Wehde hat im 15. Jahrhundert eine teilweise recht wechselreiche Geschichte gehabt. Sie bildete zwar einen festen Bestandteil der alten Grafschaft, wurde aber mit den westlichen Bezirken lange Jahrzehnte in die Auseinandersetzungen der oldenburgischen Grafen mit dem ostfriesischen Nachbarlande hineingezogen. Im Friedensvertrag von 1486** mussten sogar einige Grenzgebiete mit den Ortschaften Zetel, Driefel und Schweinebrück an Ostfriesland verpfändet werden.

** 28. Oktober 1486 zwischen Graf Gerd und seinen Söhnen einerseits und den ostfriesischen Grafen Enno, Edzard und Uko andererseits.

Erst 1517*** wurde diese Zone wieder dem Hoheitsbereich des oldenburgischen Grafenhauses überstellt.

*** Am 3. Dezember 1517 trafen sich in Zetel kriegsgewohnte Männer und die politischen Vertreter, die vier Jahre lang Krieg gegeneinander geführt hatten, um einen Schlussstrich zu ziehen unter diesen Krieg, der in der Geschichte als „Sächsische Fehde“ eingegangen ist.

Abseits von der großen über Bockhorn – Neuenburg ins Ostfriesische führenden Heerstraße stand nördlich des alten Kirchdorfes „nicht verne von Bockhorne“ ein Steinhaus, also ein befestigtes Gebäude, um das bereits sich bereits 1461 eine kleine Ortschaft gruppierte. Nach dem Testament des Hole Edzen, das am 16.8.1461 verfasst wurde, gab Edo Wiemken (d.Ä.) seiner Schwester 12 Stiege (240) grasen Landes im Kirchspiel Hiddels. Dieses Kirchdorf wurde durch die hereinbrechenden Meeresfluten auseinandergerissen.Im Jahre 1461 wurde das aus dem ehemaligen Besitz der Schwester Edo Wiemkens stammende Land bereits von den Bauersleuten in Jeringhave und „tho dem Steenhus“, also zu Steinhausen bewirtschaftet. Diese Nachricht gibt uns einen Anhaltspunkt für die Annahme, dass das alte Steinhaus nicht das einzige Gebäude in diesem Gebiet gewesen ist, sondern bereits den Kern eines kleinen Bauerndorfes abgegeben hat.

Im Spätmittelalter erzielte die wilde See tiefe Einbrüche ins Land hinein, denen auch schließlich das alte Kirchdorf Hiddels zum Opfer fiel. Ein bescheidener Rest war 1511 schon zur Insel geworden.

Im 16. Jahrhundert bildete die Kirchhofs Wurt nur noch ein kaum erkennbares Trümmerfeld.

Die Einwohner aus Hiddels mussten sich, als ihr Verbleiben nicht mehr möglich war, weiter ins Land zurückziehen. Es besteht Grund zur Annahme, dass sie beim Steinhaus, sowie in Jeringhave eine Bleibe gefunden haben. Nur so ist zu erklären, dass noch 1461 die nicht von der See überfluteten Ländereien bei Hiddels von den Bauersleuten in den beiden Ortschaften genutzt wurden. Dazu mussten sie auf jeden Fall berechtigt sein.

Im Jahre 1462 (8.Juli) vermittelte der Bremer Rat einen Bündnisvertrag zwischen Graf Moritz von Oldenburg und den friesischen Häuptlingen, der sich gegen den berüchtigten Grafen Gerd von Oldenburg richtete. In dem Vertragswerk (Siehe Urkunde vom 8.Juli 1462) vereinbarten die Verbündeten, nach einem erfolgreichen Ausgang des Unternehmens das Steinhaus bei Bockhorn schleifen zu wollen. Es muss sich daher im Besitz des Grafen Gerd befunden haben und gehörte zu einer Reihe von Befestigungswerken ( Conneforde – Altjührden – Vriyjade usw.), die das nördliche Gebiet der Grafschaft gegen die Friesen abschirmen sollten.

Der Anschlag auf Steinhausen, richtiger das Steinhaus, ist vermutlich nicht Wirklichkeit geworden. Noch 1539 schlägt Graf Anton von Oldenburg Fräulein Maria von Jever vor, sich mit ihm beim Steinhaus zu treffen, um gemeinschaftlich interessierende Fragen zu besprechen. Vermutlich hat die alte Burg damals noch gestanden.

Im Jahre 1509 wird urkundlich ein Marten Lüdeken „tome Steenhuse“ erwähnt. Er ist als Ortseinwohner zu betrachten, dessen Vater Klaus Lüdeken von Hinrich Hermanns auf Schaar erschlagen worden war. Für diesen Totschlag hatte der Mörder die Familie des Erschlagenen zu entschädigen. Er starb aber vor Zahlung des Totengeldes, das nun nach Landrecht sein Rechtsnachfolger Gerd Schröder zu bezahlen hatte. Der Häuptling Edo Wiemken d.J. (* um 1454; † 19. April 1511) bestätigt nun in einer Urkunde die richtige Bezahlung der Schadenssumme durch den vorgenannten Schröder. Sello (* 20. März 1850 in Potsdam; † 17. Juli 1926 in Oldenburg)(Oestringen Rüstringen S. 147) weiß aus Mitteilungen eines alten Steinhauser Landwirts noch einige interessante Einzelheiten über den Standort des alten Steinhauses wiederzugeben. Auf der alten Hahnenkamp – Stelle (Schulpfad 6) zu Steinhausen stand früher ein großes altes Bauernhaus, auf dessen Diele man mit einem Wagen wenden konnte. Beim Abbruch des Gebäudes fand man Fundamente eines runden Turmes. Es wurde ein „Leuchtturm“ angenommen. Das erscheint allerdings unmöglich, vielmehr haben wir es mit einem Befestigungsturm zu tun. Solche Anlagen hatten im Spätmittelalter eine runde Form, wofür schon militärische Gründe sprachen. Die alte Hahnenkamp – Stelle ist also ohne Zweifel als ehemaliger Standort des früheren Steinhauses anzusehen.

Im Jahre 1386 wird ein Hof in Hiddels erwähnt. Er muss einem alten Häuptlingsgeschlecht angehört haben , das im Spätmittelalter zu Hiddels sesshaft gewesen ist. (siehe auch Sello. Ostr. u. R.)

In jener Zeit gab es überall im Lande einflussreiche Familien, deren Vertreter zu einer Gruppe von Unterhäuptlingen gezählt werden mussten. Diese verfolgten keine einheitliche Politik. Untereinander waren sie oft in dauernde Streitigkeiten verwickelt. Wem sie Gefolgschaft leisteten, das hing vom gebotenen Erfolg und der Wahrung ihrer eigenen Interessen ab. Damit haben sie dem Lande wenig Segen gebracht.

 

Betrachten wir die Ereignisse des Spätmittelalters, dann scheint es uns, dass damals wohl wenigen Landschaften unseres nordwestdeutschen Raumes so viel Unheil beschert worden ist, als den um den späteren Jadebusen liegenden Gebieten. Reiche Kirchspiele sanken oft in wenigen Tagen in Trümmer. Not und Sorge breiteten sich weit ins Land hinein aus. Vor 1423 waren die Kirchen von Bockhorn und Zetel zerfallen. Wegen der Überflutungen in diesen Gemeindebezirken konnte man keinen Pfarrer unterhalten. Ländereien, die öfter vom salzigen Meerwasser erreicht werden, verloren ihre Ertragsfähigkeit. Das haben uns auch Nachrichten aus der späteren Zeit bezeugt. Armut und Dürftigkeit müssen ihren Einzug in die vorher so wohlhabenden Kirchspiele gehalten haben. So haben wir uns auch die Verhältnisse in Steinhausen im Ausgang des Mittelalters, also um 1500, vorzustellen.

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