Die Geschichte Steinhausens

Steinhausen ist eines der schönsten Dörfer Frieslands. Der Ort wurde schon 1461 erwähnt als das "Steenhus nit ferne von Bochhorne". Im frühen Mittelalter wurde Steinhausen von den Rüstringer Häuptlingen verwaltet. Die Sturmfluten von 1509 bis 1511 sorgten für die größte Ausdehnung des Schwarzen Bracks. Das Wasser reichte bis an den nördlichen Ortsrand von Steinhausen. So spielte in den darauf folgenden Jahrzehnten die Fischerei, die Schifffahrt, der sich daraus entwickelte Handel und die Landwirtschaft eine große Rolle.


Der Tichelhoff – die Ziegelei Suhren/Noordendorp

Heute erinnert nur noch der Name des Wohngebietes „Tichelhoff“  an den Standort der Ziegelei Suhren/Noordendorp. Auf dem Areal wurden bis Anfang 1965 „Original Bockhorner Klinker“ gebrannt.

 

Mitte des 19. Jahrhunderts war die  Nachfrage nach Klinkern für den Straßenbau groß, da sich die gebrannten Steine beim Bau des Postweges von Oldenburg nach Jever bewährt hatten.  So wuchs die Anzahl der Ziegelbrennereien  in  der Friesischen Wehde und  dem Gebiet von Varel.  Auch Steinhauser Bürger – 1854 Berend Kroog in Grabstede und 1871 Christian W.A. Michaelsen in Bockhorn in Höhe der heutigen Rosenstraße -  errichteten  „Steinfabriken“. 

 

1857, am 09. März bat der Hausmann Johann Suhren aus Steinhausen die Obrigkeit um den „Oberlichen Consens“ zur Errichtung einer Ziegelei. Es heißt darin: „Er besitzt bei seiner Hausmannsstelle, hinter seiner aus einem Wohnhause und Garten bestehenden Anbauer- oder Brinksitzerstelle, „Ostindien“ genannt, pl. M. 8 Jück großen Kamp, worauf derselbe eine Ziegelei anzulegen wünscht. Supplicant besitzt bei der Stelle außerordentlich schönen Thon (Lehm) ......" Ein Jahr später teilte J. Suhren der Obrigkeit mit, dass er mit dem Bau der Ziegelei nicht begonnen habe und auf die Konzession verzichtet. Die Untersuchung der Ziegelerde habe ergeben, dass der Lehm keine harten Steine liefern könne (StAO 70 6582).

 

Zwölf Jahre später, im Jahre 1869 errichtete er doch ein Brandhaus mit Ofen (StAO 207/AB91) und begann mit der Ziegelproduktion. 1876 wurde der Besitz lt. Brandkassenregister an Theodor Wilhelm Suhren übertragen.1900 berichtet „Der Gemeinnützige“ über den Bau eines Ringofens mit 22 Kammern von Wilhelm Suhren, der während des 1. Weltkrieges starb. Seine Witwe führte den Betrieb weiter, nach ihrem Tode übernahm Theodor Suhren  bis zur Volljährigkeit seiner Nichte Inge treuhänderisch die Leitung. Nach ihrer Heirat mit J. Noordendorp wurde ihr Ehemann der Geschäftsführer.

 

In Zeitzeugenberichten (aufgeschrieben von Torsten Germeier, Ritterhude) steht, dass das Rohmaterial, der gelbe Lehm, bis 1956 nur aus der eigenen „Lehmweide“ (heute zum Teil bebaut als „Lehmhoff“) zwischen der Nordstraße und dem Ziegeleigelände an der Bremer Straße gewonnen wurde. In den letzten Betriebsjahren musste Rohstoff aus den Vareler Staatsforsten und Klei aus dem Deichabbau zugekauft werden. Aus dieser Materialmischung ließ sich aber keine dunkel rot-blaue Bockhorner Sortierung mehr herstellen.

 

Mit dem Bau des Ringofens endete die Ära des Handstrichs. Maschinen übernahmen die Aufbereitung des Lehms und die Formgebung der Steine. Eine stationäre Dampflokomobile  im Maschinenhaus trieb über Transmissionswellen und Treibscheiben die einzelnen Maschinen an. Die Aufbereitung des Grundstoffes erfolgte mit Kastenbeschicker, Steinsonderungswalzwerk, Kollergang und Feinwalzwerk. Die Formgebung wurde mit einer Strangpresse und einem Halbautomat-Abschneider von der Fa. Keller durchgeführt. Zum innerbetrieblichen Transport dienten Kipp- und Kastenloren, später für die Paletten mit Rohlingen auch Hubstapler. Die natürliche Trocknung erfolgte  in acht Trockenschuppen, für den Dauerbetrieb des Ringofens (später 16 Kammern) waren 400.000 Formlinge Oldenburger Formats nötig. Ein Rundbrand dauerte 16 Tage. Als Brennmaterial diente ausschließlich Schwarztorf. So wurden in der Saison etwa 2,5 Mill. Vollziegel hergestellt. Von 1948 – Ziegelmeister Ehlers - (während der Kriege wurde nicht produziert) bis zur Stilllegung des Betriebes zum 31. Juli 1965 – Ziegelmeister Sachse - umfasste die jährliche Produktion im Ganzjahresbetrieb 3,5 – 4 ,0 Mill Klinker. In der Hauptsaison, vom Frühjahr bis zum Herbst, waren bis zu 30 Leute mit der Herstellung der Steine und dem Vertrieb beschäftigt. Wirtschaftliche Aspekte, wie Rohstoffmangel und notwendige teure Modernisierungen z.B. der Bau eines leistungsstärkeren Tunnelofens, führten zum „Aus“ des „W. Suhren’sches Klinkerwerk, Ingeborg Noordendorp geb. Suhren, Steinhausen über Varel Oldbg.“

 Im November 1965 wurde mit dem Abbruch der Trockenhütten beiderseits der Bremer Straße begonnen. Heute entdeckt man in dem neu entstandenen Wohngebiet nur noch „Reste“ der einstigen Bebauung, wie das sanierte alte weiße Ziegelmeisterhaus und das um 1950 erbaute Ziegeleiarbeiterhaus.

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Vertrieben –geflüchtet – gestrandet – angekommen?

Erinnerungen von Werner Foege – aufgeschrieben von Margrit Hayen (Verein für Heimatgeschichte der Gemeinde Bockhorn e.V.)

 

Geboren ist Werner Foege 1933 in Nidden auf der Kurischen Nehrung im Kreis Memel in Litauen das bis 1919 zum Deutschen Reich gehörte, dann Mandatsgebiet Memel wurde und ab von 1923 bis 1939 zum unabhängigen Litauen gehörte..

Die Familie, Großeltern, Eltern und fünf Geschwister, besaß ein Anwesen. Die Männer fuhren mit ihrem schweren hölzernen Fischerkahn, dem  Kurenkahn, mit den charakteristischen Wimpeln zur Nacht zum Fischen hinaus aufs Haff. Im Sommer, wenn  die Sommerfrischler kamen, zog die Familie in die Nebengebäude um und vermietete  das Haus an Gäste. Werner Foege kann sich noch gut  an einen Gast aus der Friesischen Wehde erinnern: Dr. Onken aus Zetel. In Nidden waren viele berühmte Persönlichkeiten der damaligen Zeit zu Gast (z.B. Heinz Rühmann, Max Pechstein, Thomas Mann usw.).

 

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Straßenbenutzungsgebühr in Steinhausen

Von Eberhard Brumm

 

Nein, keine Angst, dieses ist keine Finazierungs-Ankündigung für Straßen in Steinhausen.

Vor 166 Jahren allerdings, da war das Realität in unserem Dorf. Es wurde zur Refinanzierung

und für die Unterhaltung der gerade fertiggestellten besteinten Wegstrecke von Bockhorn bis zur Einmündung in die Chaussee Oldenburg-Jever (ehem. B69, heute Wilhelmshavener Str.) zum 1.Januar 1850 eine Weggeld-Hebestelle eingerichtet. 

 

Die Straße war als Kunst-Straße auf Anordnung des Großherzogs ausgebaut worden, zur Anbindung der Ortschaften Bockhorn und Steinhausen an die neue Chaussee. Kunst-Straße bezeichnete damals einen planmäßig befestigten Weg mit definierten Seiten und Längen, wobei die Befestigung bevorzugt zunächst durch s.g. Steinschlag (zerschlagene Feldsteine gemischt mit Sand) erfolgte. Erst später trat in unserer Region der Klinker seinen  "Siegeszug" an als Belag auf den Straßen durch das Land.

Die Hebestellen im Großherzogtum Oldenburg wurden an den meistbietenden Interessenten verpachtet, somit wechselten auch die Standorte der Hebestellen mit ihrer Barriere (Schlagbaum)

zusammen mit der Tariftafel. Für die Straße Bockhorn-Steinhausen sind zwei Standorte und damit Pächter überliefert: 1850 der Wirth J.J.Schwoon  und 1869 der Gastwirth Scheele. Die Weggelderhebung an öffentlichen Straßen endete allgemein im Jahr 1900 im Großherzogtum.

 

Das zu zahlende Weggeld wurde als Tarif von der Staatsregierung festgelegt. 1850 war zu zahlen:

 

Für jedes Pferd oder Zugtier von einem Wagen, Schlitten oder sostigen Fuhrwerk zwey Grote Für ein Reitpferd zwey Grote Für nicht angespannte Zugtiere, für Hand- oder Koppelpferde, für Füllen, Hornvieh und Esel das Stück ein Groten Für Saugfüllen, welche bey der Mutter laufen, wird nicht bezahlt.

 

Für Frachtwagen, welche mit mehr als zwey Pferde bespannt sind, nur für alle Frachtkarren; ungleichen für mehrere zusammengekoppelte beladene Wagen wird von jedem angespannten Zugthier die Hälfte mehr als obige Rate gezahlt.Das Chausseegeld wird in Courant erhoben, wer aber in besserer Münzsorte zahlt, kann kein Agio vergütet verlangen. Der Einnehmer ist ermächtigt, alle Münzsorten , die nicht bey der Herrschaftlichen Casse angenommen werden, zurückzuweisen.

 

Die Bürger in und um Steinhausen wussten allerdings ihre Interessen schon immer gegenüber der Obrigkeit durchzusetzen. Schon bald zahlten sie nach erfolgreichen Verhandlungen nur noch die Hälfte des Tarifs und so mancher war von der Zahlung völlig befreit, wenn er z.B. darlegen konnte, dass seine bewirtschafteten Ländereien jenseits der Barriere liegen und seine Betriebskosten durch das Weggeld unverhältnismäßig hoch werden würden.

Mehr zur Verkehrsgeschichte der Region ist zu finden auf www.360-270.de.

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Steinhausens Mühle

Von J. Janßen

Aus Festschrift für das Amtskriegerverbandsfest in Steinhausen 1932

 

Die hohe stattliche Windmühle ist das Herz Steinhausens, und seit mehr als 300 Jahren ist sie das Wahrzeichen des Ortes. Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges, 1632, war „der ehrbare Hermann Hanneken“ – wie eine Urkunde aus diesem Jahre amtlich vermeldet – Müller zu Steinhausen. Reichlich hundert Jahre später hat der wohlhabende Kaufmann u. Freimaurer Johann Hanneken die Mühle in Besitz. Als „Mitglied und Meister der Freimaurerei“ wird er es gewesen sein, der das interessante, fast Quadratmetergroße Freimaurerwappen über der Tür in die dicke Mauer des Unterbaues einfügen ließ. Das aus Sandstein gearbeitete, reich verzierte Symbol wird noch heute viel beachtet und photographiert.

Nach dem Abriss der Mühle wurde das Wappen nach Bremen verkauft. Der damalige Besitzer der „Altdeutschen Diele“ Robert Meyer konnte das Wappen, 1972, zurückerwerben. Seitdem ist es in der „Altdeutschen Diele“ - Reiterstube - eingebaut.

Im Jahre 1769 erschloß derselbe (?) Hanneken dem ersten aus der Familie Sagemüller die ihm ebenfalls eigene Kranenkamper Mühle – damals eine Bockmühle – und übergab sie, indem er den Mahlgang in Bewegung setzte, mit getreuen Segenswünschen diesem Vorfahren des heutigen Brauereibesitzers in Pacht; diese Mühle war lange eine Bannmühle.

Bannmühle bezeichnet eine Mühle, für die der Mühlenzwang gilt.

Der jetzige Besitzer ist Müller Ad. Carstens. Die Steinhauser Mühle war viele Jahrzehnte eine Graupenmühle. Aus weiter Umgebung kamen die Bauern, um ihre Gerste u. ihren Weizen – nur dieses – hier Mahlen zu lassen. Und die Graupen und Gerstengrütze des Steinhauser Müller waren weithin in und außer Landes bekannt und begehrt.

Sturm und Brand haben die Mühle im Laufe der Jahrhunderte nicht verschont. Doch immer ist sie wieder neu erstanden, um den nimmermüden Kreislauf ihres Lebens fortzusetzen. Nur in den vier Jahren des Weltkrieges, als ihr jetziger Besitzer, E. Folkerts, dem Vaterland mit der Waffe dienen musste, war es still und öde um die Mühle. Als sie dann aber aus ihrem Dornröschenschlaf erwachte, lag eine stille Freude uf den Gesichtern der Steinhauser. „De Möhl de geiht weller, Och, och de Möhl geiht weller.“ Klank es von Mund zu Mund. Dem nicht zu unterlassen, langsam zum Müller zu gehen und ihm zu sagen:“Och wie schön ist dat, dat de Möhl weller geiht:“

Möge sie noch lange hoch und hehr und lebendig ins Land schauen: Im Westen über die Driefeler Weiden nach Zetel und Ostfriesland, im Norden über Groden und Jadebusen, im Osten über Jeringhave nach Stadt und Forst Varel und nach Süden über Bockhorn und die blauen Wälder der Friesischen Wehde. Das ist der treue Wunsch der Steinhauser für ihre Mühle. 

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Ostindien

Eine Beschreibung von unbekannter Quelle. Zum Abdruck bereitgestellt von M. von Häfen, Bockhorn

 

Am Dorfeingang hört die von Bockhorn kommende Klinkerstraße auf, es beginnt die aus Feldsteinen bestehende Hauptdorfstraße. Bei Regenwetter ist die Straße vollkommen verschmutzt und der Straßenwärter Wilhelm Meinen, Poggenhörn, hat dann viel Arbeit um den größten „Gubbel“ fortzuräumen. Links liegt das Bauerngehöft von W. Suhren. Rechts liegt das alte Haus „Ostindien“ mit dem alten Ziehbrunnen.

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Geschichte am Wegesrand

Von Eberhard Brumm: Hobbyheimatforscher mit Schwerpunkten in Geschichte der Verkehrswege und Historische Maße und Gewichte

 

Der 5-Km Stein auf der Position "Kilometer 20" der Landesstraße (L) 816, ca. 500 m vom Schifffahrtsdenkmal in Steinhausen  in Richtung Bockhorn entfernt, ist zwar noch keine 555 Jahre alt aber immerhin schon 197 Jahre. Natürlich ist das Material, aus dem er besteht -es handelt sich um Granit- deutlich älter, aber das lassen wir in dieser Erzählung einmal außen vor. Es handelt sich um einen ehemaligen Meilenstein, der uns viel über die Verkehrsgeschichte unserer Region erzählen kann.

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Die Steinhauser Volksschule

Lisa Albers, Sielmeisterstraße, Steinhausen

 

In der Bauerschaft Steinhausen gab es schon um 1649 eine Schule. Aber ob nun die Schule ein festes Steinhaus oder ein Holzhaus gewesen ist und auf der gleichen Stelle stand, ist nicht bekannt. Man weiß aber, dass die letzte Volksschule, die im Jahre 1835 erbaut wurde, im Jahre 1957 abgebrochen wurde. Auf diesem Schulgelände hatte vorher ein Bauernhof gestanden. In den ersten Kriegsjahren des zweiten Weltkrieges diente die Volksschule vorübergehend auch als Kindergarten. Wie schon erwähnt wurde die Schule 1957 abgebrochen und im Jahre 1957 feierte die Steinhauser die Einweihung ihrer neuerbauten Schule

Heute befindet sich ein Pfadfinderheim in dem mittlerweile fast vierzigjährigen Schulgebäude. Jugendliche aus vielen Ländern lernen sich hier kennen und verstehen. So leistet die alte Schule Steinhausen noch einen wertvollen Dienst zur Sicherung des Friedens. Aufgrund eines Ratsbeschlusses musste die Pfadfinderbildungsstätte zum 31.01.2016 seinen Betrieb einstellen und der örtliche Stamm „Aldenburg“ hat nach 30 Jahren nunmehr seinen Sitz in Zetel.

Da in jüngster Zeit viele junge Familien in Steinhausen ihren Wohnsitz genommen haben und noch nehmen werden, zieht man in Betracht, zirka im Jahre 2000 einen Schulneubau zu errichten. Die Steinhauser freuen sich, dass dann unser so stilles Dorf wieder mit Leben erfüllt sein wird.

Die Schule Steinhausen „Ünnerklass“ – Unterklasse-

Das Wort „Ünnerklass“ Beinhaltet, dass in der damaligen Zeit die ersten vier Schuljahrgänge in einem Raum von einem Lehrer unterrichtet wurden. Das Grundstücksgelände auf das sich das ehemalige Schulgebäude befindet gehörte dem Tichelbuur (Ziegelbauer) Wilhelm Suhren. Sowie auch das Haus des damaligen Sargmaakers und Dischkers Kapels, heute Pächter Ennen. In diesem Haus wohnten damals die Landarbeiter des Wilhelm Suhren. Suhren verkaufte das Land an die Schulacht Steinhausen. Und das übrig verbliebene Haus nebst kleinen Garten an einen Hermann Dierks aus Steinhausen. Auf dem ehemaligen Suhrengrundstück errichtete die Steinhauser Schulacht 1897 die „Ünnerklass – School“ Unterklasse – Schule. Diese wurde dann im Jahre 1898 feierlich eingeweiht. Gleichzeitig und mit weiser Voraussicht versahen die Steinhauser ihre Ünnerklass mit einer geräumigen Lehrerwohnung. Der Lehrer hatte auch einen kleinen Garten dabei, um sich mit dem notwendigsten zu versorgen, denn die Lehrer jener Zeit bezogen sehr wenig an Gehalt.

Als die Pastoren noch Schulinspektoren waren, Schulachten

Im Jahr 1852 regelte ein neues Gesetz das Schulwesen im Großherzogtum Oldenburg. Für das Volksschulwesen errichtete das Schulgesetz eigene Selbstverwaltungskörperschaften, die Schulachten ein. Die Schulachten waren von politischen Gemeinden völlig getrennt. So konnten innerhalb einer Gemeinde mehrere Schulachten vorhanden sein. Zur Schulacht gehörten sämtliche Bürger, die im Schulachtsbezirk wohnten und der entsprechenden Konfession angehörten. Auch konnten damals Mitglieder anderer Religionsgemeinschaften eine konfessionelle Privatschule gründen und eine besondere Schulacht gründen. Für die Verwaltung der jeweiligen Schulacht waren der Schulachtsausschuss und der Vorstand zuständig. Der Ausschuss bestand aus dem Amtshauptmann des Amtes, dem Pastor des Kirchspiels und aus Mitgliedern des Schulachtsausschusses und von diesen wurde der Rechnungsführer bestellt. Der Pastor war der Lokalschulinspektor der Schule. Ihm stand auch die Beaufsichtigung der Lehrer und des Unterrichts zu. Er war befugt auch bei geringfügigen Vergehen und Dienstversäumnissen der Lehrer, mit Ermahnungen und Zurechtweisungen vorzugehen. Reichten diese Maßnahmen jedoch nicht aus, war der Pastor genötigt, Anzeige beim Oberschulkollegium zu erstatten.

Das damalige Schulgesetz bestimmte, dass der Schulausschuss zu zweidritteln aus Grundbesitzern bestehen musste.

 

 

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Der glorreiche Krieg mit Jeringhave 1848

Aus „Die Geschichte der Friesischen Wehde“ von Georg Meyer

 

Ein ungemein reges politisches Leben entwickelte sich innerhalb der so ruhigen Ortschaften der Friesischen Wehde. Eine Volksversammlung drängte die andere; Waffenübungen wurden abgehalten, und die Bürgerwehr kam im Flor. Bei Cölers Wirtshause in Steinhausen wurde eine Fahne mit der Aufschrift: „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ aufgestellt. Auf der Weide beim „grünen Wald“ war eine große Versammlung, wozu die Bockhorner und Zeteler Bürgerwehr mit Gewehr und die Neuenburger mit Piken erschienen. ZU einer in Steinhausen auf Cölers Weide abgehaltenen Volksversammlung strömten 1500 Menschen aus allen Himmelsgegenden herbei. Niebor und Rüter aus Neuenburg hielten gewaltige Reden. Rüter wollte, dass man sofort aufbrechen und den bedrängten Brüdern in Baden helfen sollte. Aber bei der Abstimmung über diesen Antrag bekam eine gemäßigtere Partei, die die Dinge abwarten wollte, die Oberhand.

Es kam auch noch in dieser aufgeregten Zeit zu Ausschreitungen, die für die Steinhausener leicht ernste Folgen hätten haben können.

Die Reserven waren einberufen, und da keine Fahrgelegenheit vorhanden war, wurde verabredet, dass alle Reservisten der Friesischen Wehde auf Wagen nach Oldenburg gbracht werden sollten. Bei Cölers Wirtschaft in Steinhausen sollte der Versammlungsort sein, Da wurde auf einmal bekannt, die Jeringhaver hätten gesgt: „Datt is`n Wunner, dat de smachtigen Steenhuser noch kienen Upprohr makt!“ Das wollten sie sich nicht gefallen lassen. Es wurde beschlossen, Jeringhave sollte verbrannt werden. Aus jedem Haus musste ein Mann mit. Nur der Geistesgegenwart und List des alten Suhren is es zu verdanken, dass damals kein größeres Unglück geschah. Er holte nämlich die Kampflustigen ins Wirtshaus herein. „Willt erst noch´n Lüttjen nehmen!“ Jedes Mal, wenn sie wieder hinaus wollten, gab es noch eine Runde schweren Grog, der dann schließlich seine Wirkung nicht verfehlte. Sie wurden bald alle betrunken und vergaßen die gefährlichen Gedanken.

So wurde diesmal nichts daraus. Aber am folgenden Sonntag marschierten etwa 150 Mann mit Musik und geladenen Gewehren nach Jeringhave. Als sich aber kein Mensch dort sehen ließ, zogen sie wieder ab, ließen aber alle 100 Schritte einen Mann mit geladenem Gewehr stehen. Sobald nun die Jeringhaver ein böses Wort sagen würden, sollte der erste sein Gewehr abfeuern und das der Reihe nach alle bis nach Steinhausen hin. Dann wollten die übrigen wiederkommen und Jeringhave verbrennen. Als aber nichts geschah, gingen sie wieder zurück. Einige konnten ihren Tatendrang nicht bezähmen, demolierten die Häuser und brandschatzten die wohlhabenden Leute, so z.B. den Organisten Schwieger, Renken auf der Mühle und Klävemann in Hankens Haus.

Die Sache hatte indes noch ein gerichtliches Nachspiel. Es wurde ihnen der Prozess gemacht, doch kamen die Haupträdelsführer auf Verwendung des Amtmannes in Bockhorn mit der gelinden Strafe von drei Wochen Gefängnis frei. So endete der glorreiche Krieg mit Jeringhave!

Heute leben beide Ortschaften friedlich nebeneinander und der Bürgerverein Steinhausen hat einen Vorsitzenden der aus Jeringhave stammt.

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Das Öljemann-Haus

Anton Grübnau, Steinhausen

 

Aus der Zeitgeschichte unseres Heimatdorfes Steinhausen von Anton Grübnau, Erster Teil, 1959 Staatsarchiv Oldenburg 297 B / 146 I + II

 

Dieses alte strohgedeckte Rauchhaus steht neben dem turmartigen Spritzenhaus, das zur Erinnerung an „Steenhusens Seefohrt“ erbaut wurde.

Das Öljemann-Haus ist wahrscheinlich im 17. Jahrhundert wenn nicht sogar im 16. Jahrhundert, erbaut worden. Der Name Öljemann* ist in unserem Dorf längst ausgestorben doch wird dieser Name von der älteren Dorfbevölkerung immer noch mit diesem Haus in Verbindung gebracht.

  • In der Landbeschreibung von 1681 gibt es einen Hinweis auf das Mannzahlregister von 1581 zu einem Meine Oleieman, später Olyeman dann Öljemann

So haben wir hier das schöne Beispiel, dass ein Familienname, obwohl längst erloschen, immer noch von einer Generation zur anderen wachgehalten wird.

Eine Grabinschrift auf einem Stein bei der evgl. Kirche in Bockhorn besagt:

Die im April 1640 geborene Anna Öljemann heiratete 1654 den 25 Jahre alten Kasten Ha(a)schen.

Die junge Frau war, als sie heiratete, 14 Jahre alt. Aus der Ehe gingen 4 Kinder (1 Sohn und 3 Töchter) hervor. Kasten starb 1679, seine Frau am 22. April 1698

Das alte Öljemann-Haus ist von zahlreichen Malern in den letzten Jahrzehnten gemalt worden. Auch Fremde, die in das Dorf kommen, nehmen es gerne in Augenschein. Das Haus wird seit 1936 nicht mehr bewohnt. Bis dahin diente es gleichzeitig zum Räuchern von Speck und Schinken. Jetzt benutzt der Bauer Lübben/Troue diesen Bau als Unterstellraum für landwirtschaftliche Maschinen. Aber allmählich wird auch dieser Zeuge aus längst vergangenen Tagen dem Verfall preisgegeben und damit aus unserem Dorf Bild verschwunden sein. 1965 ist das Gebäude nicht mehr vorhanden.

 

 

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Das kulturelle Leben in unserem Dorf ( ca. 1957)

Von Anton Johann Grübnau

 

Unsere männliche Bevölkerung betätigt sich in dem Klotschießer- u. ein kleiner Teil im Gesangverein. Die Jüngeren treiben Sport in den Zeteler Sportvereinen. Die Volkshochschule in Zetel / Bockhorn gab sich in den verflossenen Jahren alle erdenkliche Mühe, auch unsere Dorfbewohner für ihre Bestrebungen zu gewinnen. Leider blieb diese Mühe vergeblich.

Unter anderem wurden in Bockhorn von der Volkshochschule literarische Abende mit der Heimatschriftstellerin Alma Rogge (* 24. Juli 1894 in Brunswarden bei Rodenkirchen; † 7. Februar 1969 in Bremen-Rönnebeck war eine deutsche Schriftstellerin.) veranstaltet. An der Lesung nahmen nur wenige Personen aus Steinhausen teil. Wir haben in unserem Dorf die Tatsache zu verzeichnen, das gerade die Urbevölkerung, die seit undenklichen Zeiten, auf der väterlichen Scholle sitzt, als Kulturträger des Heimatgedanken überhaupt nicht in Frage kommt. Gerade von diesem Teil unserer Dorfbevölkerung könnte man erwarten, dass es sich aufgeschlossen gegenüber allen kulturellen Bestrebungen zeigt. Leider ist das nicht der Fall. Die Gründe dieser Haltung sind wohl in dem geringen Bildungsgrad zu sehen. Der größte Teil dieser Dummbevölkerung hat mit dem Verlassen der Schule seine geistige Entwicklung abgeschlossen. Seine Mentalität ist so, dass er seelisch u. geistig auch später nicht das Bedürfnis verspürt, sich mit Dingen zu beschäftigen, die über sein materielles Jahrwissen hinausgehen. Wenn kürzlich auf einer Landfrauentagung im „Kurhaus“ am Urwald ein erfahrener Vortragsredner die Behauptung äußert, nicht die in das Dorf Zugewanderten, sondern die bodenständige Bevölkerung seien die Kulturträger unseres dörflichen Raums, so ist dieses entweder eine völlige Verkennung der Dinge, oder der Redner wollte sich nur beliebt machen. Wir von unserem Dorf u. in vielen anderen wird es wohl ebenso sein, kann man nicht sagen, dass man im Allgemeinen die Ureinwohner die Kulturbürger der dörflichen Heimat sind.

 

Gerade die Zugezogenen sind in dieser Hinsicht meist aufgeschlossener.  

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Das Geschäftshaus von J. Jungclaus

Anton Grübnau, Dorfchronik 1959, Teil 1

 

Der Maler Kossenhaschen bewohnte um 1836 das obige Haus. Es ist wahrscheinlich von ihm oder seinem Vater Anfang des 19. Jahrhunderts erbaut. Maler Kossenhaschen hatte mehrere Ehrenämter inne. Als Mitglied des Kirchspielausschusses (Kirchenrat) wirkte er 1836 bei der Beschlussfassung über den Ankauf von Land an der Grabstederstraße zur Anlegung eines Friedhofes in Bockhorn mit. (Protokoll des Kirchspielausschusses von Bockhorn im Jahre 1836)

Zu dem Besitztum des Kossenhaschen gehörten auch einige Ländereien. Es waren Lehmweiden. Johann Suhren hat diese später angekauft, um den Lehm für die Ziegelsteinherstellung zu verwenden. Nach dem Tode des Malers Kossenhaschen eröffnete dessen Sohn in dem väterlichen Hause ein Kolonial- und Gemischtwarengeschäft. Die Tochter Mathilde des Kaufmanns Anton Kossenhaschen heiratete 1878 den Junglehrer Thorbeck in Steinhausen.

Der Kaufmann Heinrich Vollmer erwarb 1880 das Geschäftshaus für 12 000 Mark. H. Vollmer stammte aus dem Kreise Sulingen in Hannover. Er war ein sehr strebsamer und zielbewusster Kaufmann, im Dorfe sehr beliebt. Die Eheleute hatten 2 Kinder, 1 Tochter und 1 Sohn. Um seinen Kindern eine gute Schulbildung zu geben, ließ er sie in Bockhorn unterrichten. Dort bestand bis etwa 1900 eine Privatschule. Lehrer war der jeweilige Pfarrer. Nur wenige Kinder erhielten dort Unterricht.

Die Schule befand sich in dem Haus, welches an der Steinhauserstraße liegt, und zwar ist es das siebente Haus nach der Lauwerschen Besitzung. Ein schweres Missgeschick traf die Familie Vollmer um 1900. Der Vater erkrankte an einer Lungenentzündung und starb an den Folgen. Die Frau, durch den Tod ihres Mannes seelisch gebrochen, führte das Geschäft mit den Kindern weiter. Die Tochter Clara heiratete 1912 einen Gärtnereibesitzer in Emden. Der Sohn Alfred führte einen leichtsinnigen Lebenswandel und so musste das Geschäft verkauft werden. Die Mutter verlebte ihren Lebensabend bei der Tochter in Emden.

Heinrich Jungclaus erwarb das Geschäftshaus 1913 für 23 000 Mark. Jungclaus starb nach dem zweiten Weltkrieg. Er hatte wesentliche bauliche Veränderungen an dem Hause vorgenommen. Sein Sohn Jonny geboren 1914 führte seit dem Tod des Vaters das Geschäft.  

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Ellenserdamm und seine Siele

von Gustav Popken, überarbeitet von Rüdiger Buhl

 

Bei Verhandlungen zwischen Oldenburg und Ostfriesland im Jahre 1613 gaben die Ostfriesen zu, dass die Kirche von Altgödens untergegangen sei, und das Brack bis an den Mühlenkolk gelaufen sei. Tamme von Diekhausen berichtet, dass das Brack bei Friedeburg 1544 durchschlagen sei. Dadurch, behaupteten die Ostfriesen, sei eine nähere Verbindung zwischen Oldenburg und Jever hergestellt. Doch der Weg führte über die Festung Friedeburg, was für Johann XVI, als er Herr von Jever wurde, unerträglich war.

 

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Aus dem Leben unserer Eltern

Aufzeichnungen von Johann Diedrich Küper (Oberpostsekrerär) geb. 19.02.1880, gest. 21.04.1957.

 

ter besuchte von 1856 bis 1864 die Volksschule in Bockhorn. Der Schulunterricht fand nur in den Sommermonaten statt. Von seinem 14. Lebensjahr ab war Vater mit tätig in der Böttcherei, 1865 beteiligte er sich mit an dem Sandfahren für den neuen Bahndamm Oldenburg – Wilhelmshaven. Große Sandhaufen wurden hinter Ellenserdamm, im Kötteritzen und bei Sande gelagert.

Von 1866 bis 1868 erlernte Vater die Landwirtschaft bei Theodor Tapken (Kunnepeß – Theodor) in Kranenkamp. Hier durchkostete er eine strenge Lehrzeit, in der es ohne Prügel nicht abging.

1868 war Vater Zeuge von der ersten Personenzugfahrt auf der nun fertiggestellten Eisenbahnlinie Oldenburg - Wilhelmshaven.

1869 bis 1870 Herbst betätigte sich Vater in dem Betriebe des Landwirts Johann Suhren, Steinhausen. Ihm waren 5 Knechte untergeordnet, außerdem wurden 4 Mägde und im Sommer 4 Arbeiter beschäftigt. Der landwirtschaftliche Betrieb verfügte über 9 Pferde und 115 bis 123 Stück Hornvieh.

Im Oktober 1870 wurde Vater zum Heeresdienst eingezogen. Er diente bei der 9. Kompagnie des Oldenburgischen Füsilierbataillons. Die alte Kaserne stand noch damals dort, wo sich jetzt die neue Kaserne am Pferdemarkt erhebt. Nach Vater seinen Angaben war die Ausbildung keine scharfe, das heißt, sie bereitete ihm Vergnügen. Geländedienst fand auf der Alexanderheide statt.

Im Frühjahr 1871 kam er mit seiner Kompagnie nach Frankreich. Das Bataillon gehörte von nun ab mit zu der Okkupationsarmee, Besatzungsarmee. In Frankreich verrichtete Vater Burschendienst bei seinem Kompagnie-Führer, Hauptmann von der Theissen. Ein Bild aus der damaligen Zeit hängt im Wohnzimmer des Elternhauses. Auf diesem sehen wir den Hauptmann mit seiner Familie, die Erzieherin der Kinder, das alte französische Ehepaar – Grundbesitzer – sowie unsern Vater und dem Pferdeburschen. Als Garnison hinter Nancy, in Toul wurden Infanteriedienst und dergleichen geübt. An Löhnung gab es täglich 60 Pf. Die Verpflegung, welche die Franzosen lieferten, war sehr gut. Viel Wein wurde getrunken. Nachdem im Jahre 1873 Frankreich seine Kriegsschulden in Höhe von 5 Milliarden Franken bezahlt hatte, kehrten die deutschen Truppen in ihre Garnisonsorte zurück. Vater wurde aus dem Heeresdienst entlassen und war im Elternhaus beschäftigt. Im Jahre 1874 nahm er als Reservist an dem Kaisermanöver bei Hannover teil. Hier begrüßte der damalige Kaiser Wilhelm I. die Truppen. Vater sah hier seinen obersten Kriegsherrn.

Seit Herbst 1874 stand Vater im Dienst des Ziegeleibesitzers August Lauw in Bockhorn. Zuerst als Verwalter auf Kreyenbrook und von 1876 bis 1883 als Verwalter auf Groß-Garnholt. Dies Gut hat er zum größten Teil mit kultiviert und anbaufähig gemacht. Es umfasste 200 ha. Acker- und Weideland, außerdem noch 30 ha. Waldbestand. Im Herbst 1883 verzogen unsere Eltern nach Kranenkamp. In der heutigen Besitzung wohnten sie erst zur Pacht. Diese gehörte dem Landwirt Theodor Tapken in Kranenkamp. Nach dessen Tode wurde die Landstelle käuflich erworben.

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Einheimische und Exoten am Wegesrand

Ein baumkundlicher Spaziergang durch Steinhausen

Von und mit Christiane Heiber

 

Wenn es um die Geschichte Steinhausens geht, müssten wir eigentlich sie befragen – die Bäume des Dorfes. Die Ältesten von ihnen sind seit circa 200 Jahren hier ansässig und haben damit eine weit größere Zeitspanne miterlebt als jeder Bewohner Steinhausens.

Machen wir einen kleinen Rundgang durch den alten Ortskern und richten unser Augenmerk einmal bewusst auf die Bäume am Wegesrand. Bei näherer Betrachtung werden wir eine erstaunliche Vielfalt feststellen. Und ähnlich wie bei der Bevölkerung des Ortes gibt es ein buntes Nebeneinander von Alteingesessenen, Zugezogenen aus anderen Teilen Deutschlands oder Europas und Weitgereisten, die es aus fernen Ländern hierher verschlagen hat. Sie alle konnten hier Wurzeln schlagen, sich miteinander und mit ihrer Umwelt arrangieren. Machen wir es ihnen nach!

Wir beginnen unsere Erkundungstour beim Ehrenmal am Schulpfad. Hier stoßen wir als erstes auf einige Vertreter der „Alteingesessenen“, die wahrscheinlich auch ohne menschliches Zutun hier wachsen würden. Eindrucksvolle Rotbuchen mit einem Stammumfang von 250 cm umrahmen das Ehrenmal. Ihr Alter wird auf 80 bis 120 Jahre geschätzt.

Hinter dem Tor des Ehrenmals zieht ein mächtiger Stamm mit rissiger Rinde unsere Blicke auf sich. Im unteren Teil ist er verwachsen, nach oben hin in drei Hauptstämme verzweigt. Erst in einiger Höhe werden die dazu gehörigen gefiederten Blätter einer Esche sichtbar. Eschen wachsen schnell und liefern ein schweres hartes Holz. Dieses Exemplar dürfte circa 100 Jahre alt sein.

Wir gehen den Schulpfad weiter am Ehrenmal vorbei. Mit detektivischem Scharfblick entdecken wir in der Nähe der Laterne zwischen all den Rotbuchen einen Baum mit ganz ähnlich geformten ovalen Blättern, die aber nicht glänzen und glattrandig sind wie die der Rotbuche, sondern matt und an den Rändern gesägt - eine Hainbuche. Im Neuenburger Urwald bilden Hainbuchen, neben Eichen und Rotbuchen, einen Großteil des Bestandes. Dort erkennt man sie oft an ihrer glatten grauen Rinde, die im Alter deutliche Furchen und Wülste aufweist. Hier bleibt dieses Merkmal verborgen, weil der Stamm dicht von Efeu umrankt ist. In der Mythologie gilt die Hainbuche als Schutzbaum für Haus und Hof. Heute wird sie, ebenso wie die Rotbuche, gerne als Hecke gepflanzt – für die heimische Tierwelt die bessere Alternative zum Jägerzaun. Ein Beispiel für eine dichte Hainbuchenhecke finden wir gleich im weiteren Verlauf des Schulpfades auf der linken Seite. Das Grundstück auf der rechten Seite wird überwiegend von einer Weißdornhecke begrenzt.

Viele der Bäume, die wir heute in Steinhausen antreffen, wurden in den fünziger Jahren unter Anleitung der damaligen Lehrer, Meyer und Pille, von Schülern gepflanzt. Auf alten Fotos aus jener Zeit erscheint der Ort wesentlich kahler als heute. Der 2. Weltkrieg und die Nachkriegsjahre, in denen Bau- und Heizmaterial knapp waren, hatten ihre Spuren hinterlassen. Um einer Verarmung der Landschaft entgegenzuwirken, wurden die Schulen im Oldenburger Land aufgefordert, sich an Pflanzaktionen zu beteiligen. Mehr als 300 Bäume wurden in dieser Zeit allein in Steinhausen gepflanzt. So sind auch heute die Schule und der Kindergarten nicht von nacktem Asphalt, sondern von viel Grün umgeben.

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Aus dem mittelalterlichen Steinhausen

von Wilhelm Korte, Oldenburg.

 

Wilhelm Korte: 

  • geb. 5.9.1901 Steenfelderfehn
  • gest. 13.3.1987 Oldenburg
  • Bankkaufmann, Revisor, Makler, Heimatforscher
  • Wilhelm Korte war wohl der mit Abstand produktivste Heimatforscher Ostfrieslands und des
  • Raums Weser-Ems. Der Sohn des Lehrers und Heimatschriftstellers Heinrich Adolf Korte
  • besuchte von 1908 bis 1913 die Volksschule seines Heimatdorfes und danach bis 1917 das
  • Realgymnasium Papenburg bis zur Obersekunda. Anschließend absolvierte er eine Lehre
  • als Bankkaufmann in Aurich.

 

Das urkundliche Material der vor 1500 liegenden Zeit fällt hinsichtlich der Bauernschaft Steinhausen nicht gerade überreichlich aus. Es reicht lediglich bis in das 15. Jahrhundert zurück und beschäftigt sich in erster Linie mit dem „Steenhus“, nicht fern von Bockhorn belegen, jenen uralten Marktort der Friesischen Wehde, der bereits im 13. Jahrhundert eine Berühmtheit im nordwestdeutschen Handel erlangt hatte.

Zur Einführung in die ältere Geschichte der Bauerschaft Steinhausen sind allerdings einige allgemein historische Ausführungen notwendig.

Die Friesische Wehde hat im 15. Jahrhundert eine teilweise recht wechselreiche Geschichte gehabt. Sie bildete zwar einen festen Bestandteil der alten Grafschaft, wurde aber mit den westlichen Bezirken lange Jahrzehnte in die Auseinandersetzungen der oldenburgischen Grafen mit dem ostfriesischen Nachbarlande hineingezogen. Im Friedensvertrag von 1486** mussten sogar einige Grenzgebiete mit den Ortschaften Zetel, Driefel und Schweinebrück an Ostfriesland verpfändet werden.

** 28. Oktober 1486 zwischen Graf Gerd und seinen Söhnen einerseits und den ostfriesischen Grafen Enno, Edzard und Uko andererseits.

Erst 1517*** wurde diese Zone wieder dem Hoheitsbereich des oldenburgischen Grafenhauses überstellt.

*** Am 3. Dezember 1517 trafen sich in Zetel kriegsgewohnte Männer und die politischen Vertreter, die vier Jahre lang Krieg gegeneinander geführt hatten, um einen Schlussstrich zu ziehen unter diesen Krieg, der in der Geschichte als „Sächsische Fehde“ eingegangen ist.

Abseits von der großen über Bockhorn – Neuenburg ins Ostfriesische führenden Heerstraße stand nördlich des alten Kirchdorfes „nicht verne von Bockhorne“ ein Steinhaus, also ein befestigtes Gebäude, um das bereits sich bereits 1461 eine kleine Ortschaft gruppierte. Nach dem Testament des Hole Edzen, das am 16.8.1461 verfasst wurde, gab Edo Wiemken (d.Ä.) seiner Schwester 12 Stiege (240) grasen Landes im Kirchspiel Hiddels. Dieses Kirchdorf wurde durch die hereinbrechenden Meeresfluten auseinandergerissen.Im Jahre 1461 wurde das aus dem ehemaligen Besitz der Schwester Edo Wiemkens stammende Land bereits von den Bauersleuten in Jeringhave und „tho dem Steenhus“, also zu Steinhausen bewirtschaftet. Diese Nachricht gibt uns einen Anhaltspunkt für die Annahme, dass das alte Steinhaus nicht das einzige Gebäude in diesem Gebiet gewesen ist, sondern bereits den Kern eines kleinen Bauerndorfes abgegeben hat.

Im Spätmittelalter erzielte die wilde See tiefe Einbrüche ins Land hinein, denen auch schließlich das alte Kirchdorf Hiddels zum Opfer fiel. Ein bescheidener Rest war 1511 schon zur Insel geworden.

Im 16. Jahrhundert bildete die Kirchhofs Wurt nur noch ein kaum erkennbares Trümmerfeld.

Die Einwohner aus Hiddels mussten sich, als ihr Verbleiben nicht mehr möglich war, weiter ins Land zurückziehen. Es besteht Grund zur Annahme, dass sie beim Steinhaus, sowie in Jeringhave eine Bleibe gefunden haben. Nur so ist zu erklären, dass noch 1461 die nicht von der See überfluteten Ländereien bei Hiddels von den Bauersleuten in den beiden Ortschaften genutzt wurden. Dazu mussten sie auf jeden Fall berechtigt sein.

Im Jahre 1462 (8.Juli) vermittelte der Bremer Rat einen Bündnisvertrag zwischen Graf Moritz von Oldenburg und den friesischen Häuptlingen, der sich gegen den berüchtigten Grafen Gerd von Oldenburg richtete. In dem Vertragswerk (Siehe Urkunde vom 8.Juli 1462) vereinbarten die Verbündeten, nach einem erfolgreichen Ausgang des Unternehmens das Steinhaus bei Bockhorn schleifen zu wollen. Es muss sich daher im Besitz des Grafen Gerd befunden haben und gehörte zu einer Reihe von Befestigungswerken ( Conneforde – Altjührden – Vriyjade usw.), die das nördliche Gebiet der Grafschaft gegen die Friesen abschirmen sollten.

Der Anschlag auf Steinhausen, richtiger das Steinhaus, ist vermutlich nicht Wirklichkeit geworden. Noch 1539 schlägt Graf Anton von Oldenburg Fräulein Maria von Jever vor, sich mit ihm beim Steinhaus zu treffen, um gemeinschaftlich interessierende Fragen zu besprechen. Vermutlich hat die alte Burg damals noch gestanden.

Im Jahre 1509 wird urkundlich ein Marten Lüdeken „tome Steenhuse“ erwähnt. Er ist als Ortseinwohner zu betrachten, dessen Vater Klaus Lüdeken von Hinrich Hermanns auf Schaar erschlagen worden war. Für diesen Totschlag hatte der Mörder die Familie des Erschlagenen zu entschädigen. Er starb aber vor Zahlung des Totengeldes, das nun nach Landrecht sein Rechtsnachfolger Gerd Schröder zu bezahlen hatte. Der Häuptling Edo Wiemken d.J. (* um 1454; † 19. April 1511) bestätigt nun in einer Urkunde die richtige Bezahlung der Schadenssumme durch den vorgenannten Schröder. Sello (* 20. März 1850 in Potsdam; † 17. Juli 1926 in Oldenburg)(Oestringen Rüstringen S. 147) weiß aus Mitteilungen eines alten Steinhauser Landwirts noch einige interessante Einzelheiten über den Standort des alten Steinhauses wiederzugeben. Auf der alten Hahnenkamp – Stelle (Schulpfad 6) zu Steinhausen stand früher ein großes altes Bauernhaus, auf dessen Diele man mit einem Wagen wenden konnte. Beim Abbruch des Gebäudes fand man Fundamente eines runden Turmes. Es wurde ein „Leuchtturm“ angenommen. Das erscheint allerdings unmöglich, vielmehr haben wir es mit einem Befestigungsturm zu tun. Solche Anlagen hatten im Spätmittelalter eine runde Form, wofür schon militärische Gründe sprachen. Die alte Hahnenkamp – Stelle ist also ohne Zweifel als ehemaliger Standort des früheren Steinhauses anzusehen.

Im Jahre 1386 wird ein Hof in Hiddels erwähnt. Er muss einem alten Häuptlingsgeschlecht angehört haben , das im Spätmittelalter zu Hiddels sesshaft gewesen ist. (siehe auch Sello. Ostr. u. R.)

In jener Zeit gab es überall im Lande einflussreiche Familien, deren Vertreter zu einer Gruppe von Unterhäuptlingen gezählt werden mussten. Diese verfolgten keine einheitliche Politik. Untereinander waren sie oft in dauernde Streitigkeiten verwickelt. Wem sie Gefolgschaft leisteten, das hing vom gebotenen Erfolg und der Wahrung ihrer eigenen Interessen ab. Damit haben sie dem Lande wenig Segen gebracht.

 

Betrachten wir die Ereignisse des Spätmittelalters, dann scheint es uns, dass damals wohl wenigen Landschaften unseres nordwestdeutschen Raumes so viel Unheil beschert worden ist, als den um den späteren Jadebusen liegenden Gebieten. Reiche Kirchspiele sanken oft in wenigen Tagen in Trümmer. Not und Sorge breiteten sich weit ins Land hinein aus. Vor 1423 waren die Kirchen von Bockhorn und Zetel zerfallen. Wegen der Überflutungen in diesen Gemeindebezirken konnte man keinen Pfarrer unterhalten. Ländereien, die öfter vom salzigen Meerwasser erreicht werden, verloren ihre Ertragsfähigkeit. Das haben uns auch Nachrichten aus der späteren Zeit bezeugt. Armut und Dürftigkeit müssen ihren Einzug in die vorher so wohlhabenden Kirchspiele gehalten haben. So haben wir uns auch die Verhältnisse in Steinhausen im Ausgang des Mittelalters, also um 1500, vorzustellen.

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Historische Dokumente

Hier sammeln wir historische Dokumente über Steinhausen. 

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Das Testament

In einem Testament aus dem Jahr 1461 wird die Ortschaft Steinhausen nachweislich erwähnt. Damit ist diese Urkunde das zur Zeit älteste bekannte Dokument der Dokumentation Steinhausens und war Grundlage für die 555 Jahr Feier Steinhausens im Jahr 2016.

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