Der Tichelhoff – die Ziegelei Suhren/Noordendorp

Heute erinnert nur noch der Name des Wohngebietes „Tichelhoff“  an den Standort der Ziegelei Suhren/Noordendorp. Auf dem Areal wurden bis Anfang 1965 „Original Bockhorner Klinker“ gebrannt.

 

Mitte des 19. Jahrhunderts war die  Nachfrage nach Klinkern für den Straßenbau groß, da sich die gebrannten Steine beim Bau des Postweges von Oldenburg nach Jever bewährt hatten.  So wuchs die Anzahl der Ziegelbrennereien  in  der Friesischen Wehde und  dem Gebiet von Varel.  Auch Steinhauser Bürger – 1854 Berend Kroog in Grabstede und 1871 Christian W.A. Michaelsen in Bockhorn in Höhe der heutigen Rosenstraße -  errichteten  „Steinfabriken“. 

 

1857, am 09. März bat der Hausmann Johann Suhren aus Steinhausen die Obrigkeit um den „Oberlichen Consens“ zur Errichtung einer Ziegelei. Es heißt darin: „Er besitzt bei seiner Hausmannsstelle, hinter seiner aus einem Wohnhause und Garten bestehenden Anbauer- oder Brinksitzerstelle, „Ostindien“ genannt, pl. M. 8 Jück großen Kamp, worauf derselbe eine Ziegelei anzulegen wünscht. Supplicant besitzt bei der Stelle außerordentlich schönen Thon (Lehm) ......" Ein Jahr später teilte J. Suhren der Obrigkeit mit, dass er mit dem Bau der Ziegelei nicht begonnen habe und auf die Konzession verzichtet. Die Untersuchung der Ziegelerde habe ergeben, dass der Lehm keine harten Steine liefern könne (StAO 70 6582).

 

Zwölf Jahre später, im Jahre 1869 errichtete er doch ein Brandhaus mit Ofen (StAO 207/AB91) und begann mit der Ziegelproduktion. 1876 wurde der Besitz lt. Brandkassenregister an Theodor Wilhelm Suhren übertragen.1900 berichtet „Der Gemeinnützige“ über den Bau eines Ringofens mit 22 Kammern von Wilhelm Suhren, der während des 1. Weltkrieges starb. Seine Witwe führte den Betrieb weiter, nach ihrem Tode übernahm Theodor Suhren  bis zur Volljährigkeit seiner Nichte Inge treuhänderisch die Leitung. Nach ihrer Heirat mit J. Noordendorp wurde ihr Ehemann der Geschäftsführer.

 

In Zeitzeugenberichten (aufgeschrieben von Torsten Germeier, Ritterhude) steht, dass das Rohmaterial, der gelbe Lehm, bis 1956 nur aus der eigenen „Lehmweide“ (heute zum Teil bebaut als „Lehmhoff“) zwischen der Nordstraße und dem Ziegeleigelände an der Bremer Straße gewonnen wurde. In den letzten Betriebsjahren musste Rohstoff aus den Vareler Staatsforsten und Klei aus dem Deichabbau zugekauft werden. Aus dieser Materialmischung ließ sich aber keine dunkel rot-blaue Bockhorner Sortierung mehr herstellen.

 

Mit dem Bau des Ringofens endete die Ära des Handstrichs. Maschinen übernahmen die Aufbereitung des Lehms und die Formgebung der Steine. Eine stationäre Dampflokomobile  im Maschinenhaus trieb über Transmissionswellen und Treibscheiben die einzelnen Maschinen an. Die Aufbereitung des Grundstoffes erfolgte mit Kastenbeschicker, Steinsonderungswalzwerk, Kollergang und Feinwalzwerk. Die Formgebung wurde mit einer Strangpresse und einem Halbautomat-Abschneider von der Fa. Keller durchgeführt. Zum innerbetrieblichen Transport dienten Kipp- und Kastenloren, später für die Paletten mit Rohlingen auch Hubstapler. Die natürliche Trocknung erfolgte  in acht Trockenschuppen, für den Dauerbetrieb des Ringofens (später 16 Kammern) waren 400.000 Formlinge Oldenburger Formats nötig. Ein Rundbrand dauerte 16 Tage. Als Brennmaterial diente ausschließlich Schwarztorf. So wurden in der Saison etwa 2,5 Mill. Vollziegel hergestellt. Von 1948 – Ziegelmeister Ehlers - (während der Kriege wurde nicht produziert) bis zur Stilllegung des Betriebes zum 31. Juli 1965 – Ziegelmeister Sachse - umfasste die jährliche Produktion im Ganzjahresbetrieb 3,5 – 4 ,0 Mill Klinker. In der Hauptsaison, vom Frühjahr bis zum Herbst, waren bis zu 30 Leute mit der Herstellung der Steine und dem Vertrieb beschäftigt. Wirtschaftliche Aspekte, wie Rohstoffmangel und notwendige teure Modernisierungen z.B. der Bau eines leistungsstärkeren Tunnelofens, führten zum „Aus“ des „W. Suhren’sches Klinkerwerk, Ingeborg Noordendorp geb. Suhren, Steinhausen über Varel Oldbg.“

 Im November 1965 wurde mit dem Abbruch der Trockenhütten beiderseits der Bremer Straße begonnen. Heute entdeckt man in dem neu entstandenen Wohngebiet nur noch „Reste“ der einstigen Bebauung, wie das sanierte alte weiße Ziegelmeisterhaus und das um 1950 erbaute Ziegeleiarbeiterhaus.

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